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Münchner Merkur 6. Juni 2002
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Blinde sind bessere Beifahrer

Die "Tandemerer" radeln 50 bis 100 Kilometer täglich

  Gruppenbild
Der harte Kern: Dorothee Keil, Andrea Modlmair, Claus Bratvogel, Stefanie
Freitag, Martina Hellriegel und Anton Ospald (v.l.). Fotos: Marcus Schlaf

Von Julia Jaegler
Wir haben schon drei Ehen, drei Kinder, einige Beziehungen und viele Freundschaften auf dem Tandem zustande gebracht", erzählt Martina Hellriegel. Sie ist eine von etwa 2000 blinden beziehungsweise sehbehinderten Münchnern. Und sie gehört zum festen Kern der "Tandemerer". Diese Gruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (externer LinkADFC) unterstützt vom Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund (externer LinkBBSB), zählt stolze 80 Mitglieder.

Die ehrenamtlichen Organisatoren Dorothee Keil und Claus Bratvogel gehören zu den sehenden Piloten, Anton Ospald, Andrea Modlmair und Stefanie Freitag zu den "blinden Passagieren". "Blinde sind einfach die besseren Beifahrer, weil sie stillhalten und nicht nach links und rechts schauen", erklärt Anton Oswald. Obwohl er zu den Beifahrern gehört, ist er "einer der Dreher und Schrauber" der Gruppe, der bei jeder Panne sofort mit dem Werkzeug zur Stelle ist.
Wann immer es "nicht Ketten und Speichen regnet" sitzt er mit seinen Kameraden fest im Sattel. "Uns geht es um die Gemeinschaft, den Spaß, die frische Luft und die Bewegung. Der Weg ist das Ziel", so die "Tandemerer" einstimmig. Dennoch fahren sie gern ins Grüne, durch den Wald, machen Rast in schönen Biergärten, manchmal auch am Badesee - bei 50 bis 100 Kilometern Strecke pro Tag eine willkommene Erfrischung. "Mit dem Tandem fährt es sich viel schneller, wir fahren sogar mit Rennradlern um die Wette - und gewinnen jedesmal", erzählt Organisatorin Keil.
Manchmal tauschen sie sogar die Rollen, aber nur auf sicherem Terrain: Dann nehmen die Piloten auf dem hinteren Tandemsitz Platz, und die blinden oder sehbehinderten Beifahrer wagen sich an Lenkrad und Bremse. Schwere Stürze oder Verletzungen gab es nie, Pannen dagegen ziemlich häufig.
Daher ist der Sieg, den die "Tandemerer" unlängst errungen haben, auch so wichtig für sie: Sie dürfen die Räder in die S-Bahn mitnehmen, die U-Bahn ist aber nach wie vor Tabu für Tandems. S- und U-Bahnhöfe gehören dennoch zu den kritischsten Stellen der Stadt: Die neuen S-Bahntüren sind laut Stefanie Freitag schwer zu finden und zu öffnen, schließen sich zu schnell wieder, der Signalton ist zu leise. Die Schilder an Bahnhöfen hängen zu hoch, die - zu klein geschriebenen - Fahrpläne zu weit hinter den Scheiben, die wiederum spiegeln.
Wer gerne als Pilot bei den "Tandemerern" einsteigen möchte, kann sich bei Dorothee Keil unter Telefon 089 / 725 71 04 melden. © Münchner Merkur

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